Websites wurden über Jahrzehnte vor allem für zwei Gruppen gebaut: für Menschen und für Suchmaschinen. Menschen klicken sich durch Menüs, lesen Texte und füllen Formulare aus. Suchmaschinen crawlen dieselben Seiten, analysieren Inhalte und entscheiden, zu welchen Suchanfragen sie erscheinen sollen. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Agenten entsteht nun allerdings eine dritte Form des Zugriffs auf das Internet. KI-Systeme sollen Informationen nicht mehr nur finden und zusammenfassen, sondern selbstständig mit digitalen Diensten interagieren können.
Genau an diesem Punkt wird das Model Context Protocol, kurz MCP, interessant. Der offene Standard ermöglicht es KI-Anwendungen, auf externe Daten, Werkzeuge und Funktionen zuzugreifen, ohne dass für jedes KI-System und jeden Dienst eine vollkommen eigene Integration entwickelt werden muss. Dadurch könnte MCP zu einem wichtigen Baustein für ein Internet werden, in dem KI-Agenten nicht nur Websites lesen, sondern mit Unternehmen und deren Systemen direkt interagieren.
Inhaltsverzeichnis
Was ist das Model Context Protocol?
MCP wurde im November 2024 von Anthropic veröffentlicht. Die grundlegende Idee dahinter war zunächst erstaunlich einfach: KI-Modelle waren bereits leistungsfähig genug, komplexe Aufgaben zu verstehen, hatten aber nur eingeschränkten Zugriff auf aktuelle Informationen und externe Systeme. Für nahezu jede Verbindung zu einer Datenbank, einem CRM, einem Dateisystem oder einer Unternehmenssoftware musste eine eigene Integration programmiert werden.
Anthropic wollte dafür eine gemeinsame technische Ebene schaffen und verglich MCP später mit einem USB-C-Anschluss für KI-Anwendungen. Statt für jedes Gerät einen eigenen Anschluss zu benötigen, gibt es eine standardisierte Verbindung, über die unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren können.
Dieses Prinzip ist entscheidend. Ein KI-Assistent soll nicht wissen müssen, wie jede einzelne Software intern aufgebaut ist. Stattdessen kann ein Dienst über einen MCP-Server beschreiben, welche Informationen und Funktionen er anbietet. Ein kompatibler KI-Agent kann diese Fähigkeiten erkennen und anschließend gezielt verwenden.
Anthropic veröffentlichte MCP dabei von Beginn an als offenen Standard. Dass daraus tatsächlich mehr als ein herstellerspezifisches Protokoll werden würde, war Ende 2024 allerdings keineswegs selbstverständlich.
Von Anthropic zum branchenweiten Standard
Die Entwicklung seitdem ist bemerkenswert schnell verlaufen. Was ursprünglich im Umfeld von Claude entstand, wurde innerhalb kurzer Zeit von zahlreichen anderen Plattformen und Entwicklertools übernommen.
Einen besonders wichtigen Schritt machte Google. Bereits im Dezember 2025 kündigte Google Cloud offiziell die Unterstützung des Model Context Protocol für Google-Dienste an und bezeichnete MCP als einen sich schnell etablierenden gemeinsamen Standard zur Verbindung von KI-Modellen mit Daten und Tools. Google begann gleichzeitig damit, seine bestehende API-Infrastruktur um verwaltete MCP-Endpunkte zu erweitern.
Im Frühjahr 2026 wurde diese Unterstützung deutlich konkreter. Google veröffentlichte im Februar unter anderem einen eigenen MCP-Server für seine Entwicklerdokumentation. Statt dass KI-Agenten veraltete Trainingsdaten verwenden oder Dokumentationen über klassisches Web-Scraping auslesen müssen, können sie dadurch aktuelle Google-Dokumentationen strukturiert abrufen.
Im April 2026 wurde MCP dann noch sichtbarer Bestandteil von Googles Agentenstrategie. In einem Beitrag vom 14. April empfahl Google Entwicklern ausdrücklich, bei der Entwicklung produktionsreifer Agenten auf offene Protokolle wie MCP zu setzen, um Systeme interoperabel, skalierbar und weniger abhängig von einzelnen Plattformen zu machen. Ende April folgte schließlich ein deutlich größeres Infrastrukturprojekt: Google Cloud gab bekannt, mehr als 50 vollständig verwaltete MCP-Server für Google- und Google-Cloud-Dienste bereitzustellen.
Damit war spätestens klar, dass MCP nicht mehr nur ein Experiment von Anthropic war. Im Laufe des Jahres 2026 beteiligte sich Google sogar an der Weiterentwicklung des Protokolls selbst. Gemeinsam mit anderen Unternehmen arbeitete Google an einer neuen stateless Architektur für MCP, die wesentlich besser für große Cloud-Infrastrukturen und Millionen paralleler Agentenanfragen geeignet ist.
Auch OpenAI, Cursor und zahlreiche Entwicklerplattformen unterstützen MCP inzwischen. Für Unternehmen ist daran weniger entscheidend, welcher Anbieter den Standard ursprünglich entwickelt hat. Interessanter ist, dass sich mehrere der größten KI-Anbieter auf dieselbe technische Schnittstelle zubewegen.
Wie funktioniert MCP eigentlich?
Technisch besteht MCP vereinfacht aus einer Verbindung zwischen einer KI-Anwendung und einem sogenannten MCP-Server. Die KI-Anwendung kann beispielsweise Claude, ChatGPT, ein Entwicklungsagent oder eine andere Agentenplattform sein. Der MCP-Server stellt dieser Anwendung bestimmte Informationen und Funktionen zur Verfügung.
Dabei können sogenannte Resources Informationen bereitstellen, während Tools konkrete Aktionen ermöglichen. Ein Onlineshop könnte einem Agenten beispielsweise Funktionen wie search_products, check_stock oder create_cart anbieten. Eine Terminsoftware könnte check_availability und create_appointment bereitstellen. Ein Hotel könnte Verfügbarkeiten, Zimmerpreise oder Buchungsfunktionen verfügbar machen.
Für den Agenten sind solche Funktionen deutlich zuverlässiger als der Versuch, eine visuell für Menschen entwickelte Website zu interpretieren. Statt beispielsweise aus mehreren Seiten herauslesen zu müssen, ob ein bestimmtes Zimmer zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar ist, könnte er eine dafür vorgesehene Funktion direkt abfragen.
Das verändert die Rolle einer Website fundamental. Sie kann weiterhin eine visuelle Benutzeroberfläche für Menschen besitzen, gleichzeitig aber eine strukturierte technische Ebene für Maschinen anbieten.
Von der lesbaren zur ausführbaren Website
Bislang bestand die Aufgabe von Suchmaschinen und vielen KI-Systemen hauptsächlich darin, Informationen aus Websites zu extrahieren. Ein Nutzer sucht beispielsweise nach einem Hotel in Barcelona, einer Reinigungsfirma in Frankfurt oder einem veganen Restaurant. Google oder ein KI-Assistent findet passende Angebote und verweist anschließend auf die entsprechenden Websites.
Ein autonomerer Agent könnte dagegen eine wesentlich umfassendere Aufgabe erhalten. Der Nutzer könnte beispielsweise sagen: „Finde mir für Freitagabend ein veganes Restaurant in Frankfurt für sechs Personen und reserviere einen Tisch.“
Dafür reicht es nicht mehr, lediglich Informationen über Restaurants zu kennen. Der Agent muss erkennen können, welche Restaurants tatsächlich vegane Optionen anbieten, welche Öffnungszeiten gelten, ob zu diesem Zeitpunkt ein Tisch verfügbar ist und wie eine Reservierung durchgeführt werden kann.
Genau an dieser Stelle werden standardisierte Schnittstellen interessant. Eine Website könnte einem Agenten beispielsweise Funktionen wie get_menu, check_availability oder request_reservation anbieten. Der Agent müsste dann nicht versuchen, Buttons anzuklicken oder Formulare wie ein Mensch auszufüllen, sondern könnte direkt mit den dahinterliegenden Systemen kommunizieren.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass klassische Websites verschwinden. Viel wahrscheinlicher ist, dass eine zusätzliche technische Ebene entsteht: Menschen sehen weiterhin das Frontend, während KI-Agenten strukturierte Informationen und Funktionen über Schnittstellen abrufen.
Werden KI-Agenten künftig selbst einkaufen?
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im E-Commerce. Dort ist die Vorstellung eines handelnden KI-Agenten relativ leicht nachvollziehbar. Statt mehrere Shops zu besuchen, könnte ein Nutzer beispielsweise sagen: „Finde mir schwarze Laufschuhe in Größe 44 unter 150 Euro und bestelle das beste passende Modell.“
Der Agent müsste dafür Produkte finden, Preise vergleichen, Verfügbarkeiten prüfen, einen Warenkorb erstellen und schließlich einen Checkout vorbereiten. Teile dieser Infrastruktur existieren bereits.
Allerdings ist wichtig, MCP nicht mit einem vollständigen E-Commerce-Protokoll gleichzusetzen. MCP bietet grundsätzlich die technische Möglichkeit, einem Agenten Funktionen zugänglich zu machen. Prozesse wie Warenkorb, Zahlung, Versand oder Retouren benötigen darüber hinaus zusätzliche Standards und Regeln.
Shopify ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich diese Ebenen verbinden können. Das Unternehmen stellt MCP-Funktionen für Bereiche wie Produktkatalog, Warenkorb und Kundenkonten bereit und arbeitet gleichzeitig mit Google am Universal Commerce Protocol, kurz UCP. Dieses Protokoll beschäftigt sich speziell mit standardisierten Abläufen für agentengesteuerten Handel.
Die Richtung ist damit bereits erkennbar: KI-Systeme sollen langfristig nicht nur herausfinden können, welches Produkt ein Unternehmen verkauft, sondern mit entsprechender Zustimmung des Nutzers auch weitere Schritte innerhalb eines Kaufprozesses ausführen können.
Ob ein großer Teil des Onlinehandels tatsächlich über autonome Agenten abgewickelt wird, ist dagegen noch offen. Die technische Infrastruktur entwickelt sich schneller als das tatsächliche Nutzerverhalten. Gerade deshalb ist die aktuelle Phase interessant: Es existieren bereits funktionierende Prototypen und produktive Systeme, während noch keineswegs klar ist, wie schnell und in welchem Umfang sie sich im Alltag durchsetzen werden.
Was MCP für Websites bedeutet
Für Unternehmen wird MCP vor allem deshalb relevant, weil sich die Rolle der eigenen Website verändert. Eine Website ist künftig nicht mehr nur eine Oberfläche für Menschen und eine Informationsquelle für Suchmaschinen. Sie kann zusätzlich zu einer Schnittstelle für KI-Agenten werden.
Damit entsteht eine neue technische Ebene der Sichtbarkeit. Es reicht langfristig nicht mehr aus, dass Leistungen nur irgendwo auf einer Website beschrieben werden. Informationen müssen so strukturiert sein, dass KI-Systeme sie zuverlässig verstehen können. Gleichzeitig werden Funktionen wichtiger, über die Agenten direkt auf Angebote, Verfügbarkeiten oder Prozesse zugreifen können.
Für einen Sicherheitsdienst könnte ein Agent beispielsweise Einsatzgebiete und Leistungen abfragen oder direkt eine Anfrage vorbereiten. Eine Werkstatt könnte verfügbare Termine bereitstellen. Ein Hotel könnte Zimmer, Preise und Verfügbarkeiten maschinenlesbar zugänglich machen. Ein Reiseveranstalter könnte Reisen nach Zeitraum, Region und Budget filtern lassen und anschließend eine konkrete Anfrage auslösen.
Genau hier setzt TRAILS an. Die Website wird nicht nur daraufhin optimiert, dass KI-Systeme ihre Inhalte besser erfassen und einordnen können. Gleichzeitig wird die technische Grundlage geschaffen, damit Angebote, Leistungen und wichtige Aktionen zunehmend auch für KI-Agenten erreichbar werden.
Dazu gehören strukturierte Inhalte, klare Leistungs- und Produktdaten, saubere technische Zugänglichkeit und perspektivisch auch Schnittstellen wie MCP. Ziel ist eine Website, die nicht nur gefunden und gelesen werden kann, sondern mit der KI-Systeme zunehmend auch direkt arbeiten können.
Die entscheidende Frage für Unternehmen lautet deshalb nicht mehr nur: Kann Google meine Website finden? Auch Kann eine KI meine Inhalte verstehen? wird zunehmend wichtig. Mit Agenten kommt eine dritte Frage hinzu: Kann eine KI mit meinem Unternehmen interagieren?
TRAILS verbindet genau diese Ebenen miteinander: Auffindbarkeit, Verständlichkeit und Interaktion.
MCP ersetzt SEO und KI-Optimierung nicht
MCP wird manchmal so diskutiert, als könnten klassische Websites oder Suchmaschinen dadurch überflüssig werden. Das greift allerdings zu kurz. Auffindbarkeit, inhaltliche Qualität und technische Interaktion sind unterschiedliche Ebenen.
SEO sorgt weiterhin dafür, dass Suchmaschinen Inhalte finden und richtig einordnen können. Die Optimierung für KI-Systeme beschäftigt sich unter anderem damit, ob Inhalte eindeutig strukturiert, verständlich und zitierbar sind. MCP setzt an einer anderen Stelle an: Es ermöglicht einem KI-System, direkt auf Daten oder Funktionen zuzugreifen.
Diese Bereiche könnten künftig zunehmend zusammenwachsen. Ein Agent muss zunächst wissen, dass ein Unternehmen beziehungsweise ein Angebot existiert. Anschließend muss er verstehen, was angeboten wird und ob es zur Anfrage des Nutzers passt. Erst danach wird relevant, ob eine technische Schnittstelle vorhanden ist, über die weitere Informationen abgefragt oder Aktionen ausgeführt werden können.
Für Unternehmen könnte die Frage deshalb langfristig nicht mehr nur lauten: „Kann Google meine Website finden?“ Auch die Frage „Kann eine KI meine Inhalte verstehen?“ wird zunehmend wichtig. MCP ergänzt schließlich eine dritte Ebene: „Kann ein KI-Agent mit einem Unternehmen interagieren?“
Das agentische Web
Vielleicht liegt darin die eigentlich interessante Veränderung. Das klassische Internet ist stark auf einzelne Interaktionen ausgelegt. Nutzer suchen nach einem Angebot, öffnen mehrere Ergebnisse, vergleichen Seiten, klicken auf Produkte, öffnen Formulare und führen schließlich selbst eine Aktion aus.
Agenten drehen dieses Verhältnis möglicherweise teilweise um. Statt jeden einzelnen Schritt selbst durchführen zu müssen, beschreibt der Nutzer zunehmend das gewünschte Ergebnis. Die Software entscheidet anschließend, welche Informationen und Werkzeuge benötigt werden, um dieses Ziel zu erreichen.
Aus „Ich suche nach einem Hotel“ wird dann beispielsweise „Finde mir ein Hotel am Meer für dieses Wochenende, maximal 180 Euro pro Nacht und mit später Anreise.“
Der Unterschied klingt zunächst gering, technisch ist er jedoch erheblich. Die Benutzeroberfläche verschiebt sich vom einzelnen Webangebot hin zum KI-Assistenten. Beginnt damit die Ära des agentischen Webs? Websites und Onlinedienste werden dadurch im Hintergrund zunehmend zu Daten- und Funktionsquellen.
MCP könnte zu einer grundlegenden Infrastruktur des Agenten-Internets werden
Ob MCP langfristig tatsächlich die gleiche Bedeutung erreicht wie etablierte Webstandards, lässt sich heute noch nicht sicher sagen. Dafür entwickelt sich der Markt zu schnell, und gerade bei E-Commerce, Identitäten, Zahlungen und Kommunikation entstehen parallel weitere Protokolle.
Die Entwicklung seit Ende 2024 ist dennoch bemerkenswert. Anthropic veröffentlichte MCP zunächst als offenen Standard für Claude und externe Tools. Innerhalb von weniger als zwei Jahren wurde das Protokoll von zahlreichen KI- und Entwicklerplattformen übernommen. Google unterstützt es inzwischen tief innerhalb seiner Cloud-Infrastruktur, betreibt Dutzende eigene MCP-Server und beteiligt sich an der Weiterentwicklung des Standards selbst.
Das macht MCP vor allem deshalb interessant, weil es ein grundlegendes Problem adressiert, das mit leistungsfähigeren KI-Agenten immer wichtiger wird: Ein intelligenter Agent benötigt nicht nur Wissen. Er benötigt einen zuverlässigen Weg, mit der digitalen Welt zu kommunizieren.
Für Unternehmen könnte daraus langfristig eine neue Anforderung an ihre digitale Infrastruktur entstehen. Eine Website muss dann nicht nur für Menschen attraktiv, für Suchmaschinen crawlbar und für KI-Systeme verständlich sein. Sie könnte zusätzlich so aufgebaut sein, dass Agenten gezielt mit ihr interagieren können.
Das Internet würde dadurch nicht verschwinden. Aber ein Teil davon könnte sich von einem Netz aus Seiten, die wir selbst bedienen, zu einem Netz aus Diensten entwickeln, mit denen unsere KI-Assistenten in unserem Auftrag kommunizieren.
Häufige Fragen
Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2026
Was ist das Model Context Protocol?
MCP wurde im November 2024 von Anthropic veröffentlicht. Die grundlegende Idee dahinter war zunächst erstaunlich einfach: KI-Modelle waren bereits leistungsfähig genug, komplexe Aufgaben zu verstehen, hatten aber nur eingeschränkten Zugriff auf aktuelle Informationen und externe Systeme. Für nahezu jede Verbindung zu einer Datenbank, einem CRM, einem Dateisystem oder einer Unternehmenssoftware musste eine eigene Integration programmiert werden. Anthropic wollte dafür eine gemeinsame technische Ebene schaffen und verglich MCP später mit einem USB-C-Anschluss für KI-Anwendungen. Statt für jedes Gerät einen eigenen Anschluss zu benötigen, gibt es eine standardisierte Verbindung, über die unterschiedliche Systeme miteinander kommunizieren können. Dieses Prinzip ist entscheidend. Ein KI-Assistent soll nicht wissen müssen, wie jede einzelne Software intern aufgebaut ist. Stattdessen kann ein Dienst über einen MCP-Server beschreiben, welche Informationen und Funktionen er anbietet. Ein kompatibler KI-Agent kann diese Fähigkeiten erkennen und anschließend gezielt verwenden. Anthropic veröffentlichte MCP dabei von Beginn an als offenen Standard. Dass daraus tatsächlich mehr als ein herstellerspezifisches Protokoll werden würde, war Ende 2024 allerdings keineswegs selbstverständlich.
Wie funktioniert MCP eigentlich?
Technisch besteht MCP vereinfacht aus einer Verbindung zwischen einer KI-Anwendung und einem sogenannten MCP-Server. Die KI-Anwendung kann beispielsweise Claude, ChatGPT, ein Entwicklungsagent oder eine andere Agentenplattform sein. Der MCP-Server stellt dieser Anwendung bestimmte Informationen und Funktionen zur Verfügung. Dabei können sogenannte Resources Informationen bereitstellen, während Tools konkrete Aktionen ermöglichen. Ein Onlineshop könnte einem Agenten beispielsweise Funktionen wie search_products, check_stock oder create_cart anbieten. Eine Terminsoftware könnte check_availability und create_appointment bereitstellen. Ein Hotel könnte Verfügbarkeiten, Zimmerpreise oder Buchungsfunktionen verfügbar machen. Für den Agenten sind solche Funktionen deutlich zuverlässiger als der Versuch, eine visuell für Menschen entwickelte Website zu interpretieren. Statt beispielsweise aus mehreren Seiten herauslesen zu müssen, ob ein bestimmtes Zimmer zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar ist, könnte er eine dafür vorgesehene Funktion direkt abfragen. Das verändert die Rolle einer Website fundamental. Sie kann weiterhin eine visuelle Benutzeroberfläche für Menschen besitzen, gleichzeitig aber eine strukturierte technische Ebene für Maschinen anbieten.
Werden KI-Agenten künftig selbst einkaufen?
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung im E-Commerce. Dort ist die Vorstellung eines handelnden KI-Agenten relativ leicht nachvollziehbar. Statt mehrere Shops zu besuchen, könnte ein Nutzer beispielsweise sagen: „Finde mir neue Sneaker in Größe 44 unter 150 Euro und bestelle das beste passende Modell in Schwarz“ Der Agent müsste dafür Produkte finden, Preise vergleichen, Verfügbarkeiten prüfen, einen Warenkorb erstellen und schließlich einen Checkout vorbereiten. Teile dieser Infrastruktur existieren bereits. Allerdings ist wichtig, MCP nicht mit einem vollständigen E-Commerce-Protokoll gleichzusetzen. MCP bietet grundsätzlich die technische Möglichkeit, einem Agenten Funktionen zugänglich zu machen. Prozesse wie Warenkorb, Zahlung, Versand oder Retouren benötigen darüber hinaus zusätzliche Standards und Regeln. Shopify ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich diese Ebenen verbinden können. Das Unternehmen stellt MCP-Funktionen für Bereiche wie Produktkatalog, Warenkorb und Kundenkonten bereit und arbeitet gleichzeitig mit Google am Universal Commerce Protocol, kurz UCP. Dieses Protokoll beschäftigt sich speziell mit standardisierten Abläufen für agentengesteuerten Handel. Die Richtung ist damit bereits erkennbar: KI-Systeme sollen langfristig nicht nur herausfinden können, welches Produkt ein Unternehmen verkauft, sondern mit entsprechender Zustimmung des Nutzers auch weitere Schritte innerhalb eines Kaufprozesses ausführen können.